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Stanislava – Aŭhustoŭka – Panjamuń
DIE VERGESSENEN PALÄSTE

Manche Leute nennen Hrodna ein „riesiges Museum”, denn so viel Sehenswertes hat kaum ein anderer Ort auf belarussischem Territorium zu bieten. Und es ist tatsächlich so: Fast jede Straße, jedes Gebäude im historischen Zentrum der Stadt hat einen Hauch von Geschichte in sich aufbewahrt. Man liebt Hrodna und schätzt seine Sehenswürdigkeiten. Doch sind einige davon in Vergessenheit geraten. Und damit möchte ich Sie bekannt machen, damit Sie nichts Interessantes verpassen.
Eng verbunden ist die Geschichte von Hrodna mit dem Namen des letzten polnischen Königs und Großfürsten von Litauen Stanisław August Poniatowski (1732-1798). Geboren wurde er nämlich auch auf dem Territorium des heutigen Belarus, in der Nähe der Stadt Kamjanec (Brester Gebiet). Die Chroniken sagen, dass er leider kein begabter Politiker war, dafür aber ein gutherziger Mann und ein angenehmer Gesprächspartner. Ihm ist in erster Linie die Verbreitung der Ideen der Aufklärung und der Kampf gegen die Willkür zu verdanken. Stanisław August Ponjatowski ist auch für die Existenz der drei königlichen Residenzen in Hrodna verantwortlich. Seine Hauptresidenz befand sich natürlich in Warschau, von dort aus regierte er. Die Paläste in Hrodna waren eher Sommersitze. Aber nachdem Polen 1795 endgültig geteilt war, verbrachte er hier in Hrodna die ganze Zeit.
Viele ausländische Könige bauten zu ihrer Zeit schöne Paläste in den Residenzstädten, manche sind heute weltberühmt – erinnern Sie sich nur an Peterhof bei Sankt Petersburg oder das Schloss Versailles in Frankreich. Die Paläste Poniatowskis sind nicht so prunkvoll. Geschaffen wurden sie von dem italienischen Architekten Guiseppe Sacco.
Alle drei Gebäude befinden sich im Stadtgebiet. Vollständig ist bis heute nur die Residenz in Stanislavava, erbaut zwischen 1760 und 1770, erhalten geblieben (vul. Ceraškova). Bis heute wird das Gebäude als ein Teil der Agraruniversität genutzt. Dass es sich sich von außen betrachtet in einem „alten“ Zustand befindet, verleiht ihm eine besonders bezaubernde Stimmung. Speziell im Frühling und Sommer entfaltet der Palast seine Wirkung, wenn es um das Gebäude herum grünt. Wie es sich für eine Sommerresidenz gehört, wurde auch um diese herum ein Park angelegt. Hundertjährige Bäume sind schweigende Zeugen der vergangenen Größe des Palastkomplexes.
Das zweite Residenzschloss (erbaut auch zwischen 1760 und 1770), früher „Aŭhustoŭka“ („Augustovka“) genannt, befindet sich in der vul. Repina. Für diejenigen, die nie hier waren, wird es wohl eine Überraschung sein. Ganz unerwartet taucht aus der Menge der hohen Wohnhäuser ein zweistöckiges Gebäude auf, in dem  noch die Geschichte lebt. Man sieht die schönen Balkons, die Terrasse, den Eingang, vor dem einstmals die herrschaftlichen Kutschen standen. Vor zwei Jahren wurde es renoviert und dient heute als ein Kunstzentrum für Kinder und Jugendliche. Es trägt nämlich einen genauso romantischen Namen wie seine Geschichte: „Das purpurrote Segel“. Im Sommer wird der Ort zu einer kleinen romantischen Insel für Jugendliche und Erwachsene, die hier gerne spazieren gehen. Interessanterweise wurde Aŭhustoŭka später von Zarin Katharina II (Katharina der Großen) einem Mitglied der angesehenen irisch-französischen Familie  O`Brien de Lacy geschenkt.
Besonders geheimnissvoll ist die dritte Residenz in Panjamuń, einem Dorf, das heute zum Stadtgebiet von Hrodna gehört. Sie befindet sich im südöstlichen Teil der Stadt und wurde 1771 am hohen rechten Ufer des Njoman im Stil des Spätbarock errichtet. Das Ensemble grenzt im Süden an den Fluss, im Norden und Osten ist es von einem tiefen Graben umgeben. Als Baumaterial benutzte man Ziegelsteine. Im 19. Jahrhundert hat man die Residenz umgebaut und verwendete dafür Holz. An der Einfahrt ist eine kleine Kapelle aus dem 19. Jahrhundert im neogotischen Stil zu sehen. Es gab sogar Pläne, nach denen eine schöne lange Treppe vom Gebäude hinunter zum Njoman führen sollte. Erhalten geblieben ist von dem ursprünglichen Gebäude nur ein Fragment des Eckturms. Von weitem sind vier weiße Säulen im Zentrum der Hauptfassade zu sehen. Bis heute sind sie gut erhalten. Die Einheimischen erzählen, dass  sich die Stadt bis in die 1990er Jahre um diesen Palast kümmerte. Und in den letzten Jahren wird ein Teil des Gebäudes als Wohnraum benutzt.
Ich bin mir sicher, dass nicht einmal alle Hrodnaer wissen, um was für interessante Denkmäler es sich bei den beschriebenen Palästen handelt. Sie stehen und warten auf bessere Zeiten und mehr Aufmerksamkeit. Man könnte an ihnen vorbeigehen und sie fast übersehen. Wenn man die Einzelheiten kennt, wird man sicherlich das Schöne an diesen “vergessenen Palästen“ für sich entdecken.

Lage:
Stanislavava, vul. Cimirazeva (nördlich vom Bahnhof, zwischen vul. Cimirazeva und vul. Ceraškovaj)
Panjamuń, Ende Panjamun‘skaja vul. (ca. 4 Kilometer südöstlich vom Stadtzentrum)
Aŭhustoŭka, vul. Repina (linke Flussseite)

Nadezhda Puhareva
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