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Dzjarečyn (blr. Дзярэчын; russ. Деречин)
„KLEIN-VERSAILLES“
 
 

Auferstehungskirche (katholisch) – Verklärungskirche (orthodox) – Verlorenes Erbe: Dominikanerkloster und -kirche sowie Sapieha-Palast

Dzjarečyn ist eine städtische Siedlung ca. 15km nordöstlich von Zelva, in der sich die P41 und die P142 kreuzen, 34 km von Slonim entfernt. Der Ort war auch als „Klein-Versailles“ bekannt: Es handelt sich um ein altes, einst wohlhabendes Städtchen und um eine ehemalige Residenz der Magnatenfamilie der Sapiehas, die hier im 18. Jahrhundert ein Schoss mit einem großen Garten bauten, in dem neben Orangen, Granatäpfeln, Ananas und Feigen auch die berühmte Sapeha-Birne [Sapežanka, russ. сапежанка] angebaut wurde. Im Palast gab es eine große Bildergalerie mit gut 300 Kunstwerken, eine Bibliothek, ein archäologisches Zimmer. (die Kunstwerke und Wertgegenstände wurden nach der Konfiszierung 1831 nach St. Petersburg gebracht). Hier wurden auch Waffen der Hetmanen, Kriegstrophäen und kostbares Geschirr aufbewahrt. Das alles jedoch wechselte nach dem Aufstand von 1831 (die Sapiehas wurden aufgrund ihrer Teilnahme am Aufstand de facto enteignet) den Besitzer. Angeblich war auch der russische Imperator Paul I nach seiner Krönung 1797 hier zu Besuch.
Dass es ein bedeutendes Städtchen, in dem übrigens überwiegend Juden lebten, war, ist daran zu erkennen, dass hier ein Wochenmarkt stattfand und es hier neben den beiden Kirchen (katholisch und orthodox) eine Synagoge, eine Apotheke und eine Volksschule gab.
Zum ersten Mal wird der Ort im 15. Jahrhundert als Landgut des Bojar Dremut erwähnt. Den Sapiehas gehört er ab 1685. Im Großen Nordischen Krieg (1700-1721) wird das Städtchen zerstört.

Hier stehen eine katholische (Anf. 20. Jh.) und eine orthodoxe Kirche (Mitte 19. Jh.), am rechten Ščara-Ufer gibt es einen Burgwall. Außerdem findet man hier das Grab von Ermolaj Gamper (1759-1814), Teilnehmer des ‚Vaterländischen Krieges‘ (1812), und des Partisanen Pavel Bulak (1902-1970). Der polnische Historiker Cimafej Lipinski (1797-1856) wurde hier geboren.

Die orthodoxe Verklärungskirche [Спасо-Преображенская церковь] (Mitte 19. Jh.;pseudorussischer/neobyzantinischerStil) besteht aus dem quadratischen Kirchenschiff (mit Zeltdach und Kuppel auf einem achtseitigen Tambour in der Mitte und vier kleinen Türmchen an den Ecken), einer rechteckigen, halbrunde Apsis und einem Raum für die Frauen [russ. бабинец]. Die halbkreisförmigen Fensteröffnungen befinden sich im oberen Fassadenbereich. Im Inneren stützen vier Pfeiler  die Konstruktion des Kugelkuppel. Über dem Eingang gibt es Chöre. Die Bereiche an den Ecken haben Kreuzgewölbe (die restlichen Bereiche haben flache Decken). Der Altarbereich und der Bereich unter der Kuppel sind mit Fresken verziert.

Die katholische Auferstehungskirche [Вознесенский костел] (Anf. 20. Jh.; Neogotik) aus Ziegelstein ist dreischiffig und hat einen Turm über dem Narthex sowie eine fünfseitige Apsis. An den Ecken des Stufengiebels gibt es kleine Türmchen. Das Eingangsportal ist als Spitzbogen gestaltet, darüber gibt es eine Fensterrose. Die Mauern sind mit Strebepfeilern verstärkt und haben Spitzbogenfenster mit bunten Glasmalereien. Im Inneren gibt es halbkreisförmige Gewölbe aus Holz (teilweise erhalten). Die Kirche steht übrigens an der Stelle des ehemaligen, im 19. Jahrhundert liquidierten Dominikanerklosters nebst Kirche

Das Dominikanerkloster mit der katholischen Kirche existierte von 1618 bis 1832 vom Kastellan von Mscislaŭ, Kanstancin Palubinski und seiner Frau Sofia Sapežanka. Von 1685 bis 1832 waren die Sapiehas für das Kloster verantwortlich. Die Steinkirche wurde 1690 im Barock-Stil anstelle einer Holzkirche (1618) gebaut. Nach der Schließung des Klosters 1832 war die Kirche eine gewöhnliche Gemeindekirche und blieb dies bis 1866. Die Anlage wird auf einem Gemälde von Napoleon Orda (2. Hälfte 19. Jh.) kurz vor deren Zerstörung dargestellt.
Es handelte sich um eine rechteckige, dreischiffige Basilika mit fünf angebauten Kapellen, von denen zwei mit Kuppeln endeten. Die Hauptfassade war mit Pilastern geschmückt, welche die Fassade in drei Bereiche unterteilte und mit einem dreieckigen Giebel endete. Die Kirche hatte Bogenfenster. Im Inneren gab es Fresken zu biblischen Themen sowie Grabmäler mit Kartuschen und Skulpturen. Mitte des 19. Jahrhunderts brannte die Kirche ab. Links vor der Kirche stand ein Glockenturm, rechts ein Turm mit Uhr (quadratisch, zweistöckig, mit Kuppeldach mit hoher Spitze; Barock).
Das Klostergebäude nebenan hatte zwei bis drei Stockwerke und rechteckige Fenster.
In der Kirche ist Aljaksandr Palubinski (1626-1679; Feldherr, Mäzen) begraben

Zunächst als Militärakademie wird 1786 der Palast unter Aljaksandr Michal Sapieha (Kanzler im Großfürstentum Litauen), der 1739 in den Besitz des Ortes gekommen war, errichtet (Klassizismus). Architekten waren der sächsischstämmige Jan Samuel Becker sowie der Litaue Laurynas Stuoka-Gucevičius (blr. Laŭryn Hucevič). Anfang des 19. Jahrhunderts wandelte Aljaksandrs Sohn Francišak das Gebäude in einen Palast um und legte einen Park mit Teichen darum an. Aufgrund der Teilnahme der Sapiehas am Aufstand 1831 wurde der Palast konfisziert. Anfang des 20. Jahrhundert wird der Palast in eine Kaserne umgewandelt (bis 1906). In den 1920er/1930er Jahren wurde die Anlage zerstört.
Der einstöckige, rechteckige Palast hat in der Mitte der Hauptfassade eine Mansarde mit einem Acht-Säulen-Portal dorischer Ordnung mit einem dreieckigen, mit einer Stuckkartusche mit Wappen verzierten Giebel. Das abschüssige Walmdach war durch eine Brüstung cachiert. Die Fassaden waren verziert durch rechteckige Paneelen und Fenster. Im Inneren ist der Palast korridorartig angeordnet mit einem quadratischen Saal in der Mitte. Es gab u. a. eine große Gemäldegalerie, ein archäologisches Zimmer und eine Bibliothek.

André Böhm
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