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Künstler in Hrodna
GESPRÄCH MIT DEM MALER VACLAŬ RAMAŠKA

Wir trafen Vaclaŭ Ramaška (Jahrgang 1967) in seinem Studio in der vul. Zamkavaja. Auf der Staffelei eine Hrodnaer Stadtansicht mit Klostergebäuden. An die Wände gelehnt, die fertigen Arbeiten. Der Maler hat ein breites Wirkungsfeld: Viele Bilder zeigen Landschaftsszenen aus der Region, daneben gibt es aber auch Stadtansichten und Darstellungen historischer Gebäude und Straßenzüge, sowie Stillleben und einige Portraits. Er hatte bereits Ausstellungen in Belarus, in Polen und in Deutschland. An den Wänden und in den Regalen – zahllose Erinnerungs- und Fundstücke. Dinge, die er gefunden oder gegen seine Bilder getauscht hat – ein Wagenrad und eine alte Lampe hier, eine Handvoll Hufeisen und historische Schlösser dort. Die heimatliche Region ist sehr präsent in den Bildern des Künstlers. Und über die weiß er auch ein Menge zu erzählen, z.B. dass es in Hrodna vor dem Krieg 18 Synagogen gab und sogar eine Moschee.
Vaclaŭ stammt aus der Nähe von Masty im Hrodnaer Gebiet. Seine Ausbildung als Kunstmaler erhielt er in Minsk. In der Folge wurde ihm eine Arbeit in Hrodna zugewiesen. Seit 1988 lebt der Künstler in der Stadt. Drei Jahre lang arbeitete er im Kombinat für Kunstartikel, das sich damals in der Großen Synagoge befand. Bald jedoch verlegte er sich auf die Arbeit als unabhängiger Maler.
Auf die Frage, welcher Ort in Hrodna ihm der liebste sei, antwortet Vaclaŭ ohne zu zögern:
Kaloža. „Als ich die Kirche zum ersten Mal sah, kam ich vom Flussufer, sah sie oben auf der Böschung stehen und kletterte einen alten Steinweg zu ihr hinauf. Der Anblick hat mich beeindruckt“. Kaloža spielt daher auch in seinen Bildern immer wieder eine Rolle. Dann schränkt er ein, dass eigentlich jeder Ort in der Stadt für ihn einen ganz besonderen Reiz entfalte, abhängig von seiner jeweiligen Stimmung. Die Atmosphäre in Hrodna, meint er, unterscheide sich deutlich von der anderer belarussischer Städte. Solch eine kleinteilige, verwinkelte Altstadt, mit ihrem chaotischen Nahverkehr gäbe es nur hier. Einmalig im Land sei auch die unabhängige Künstlerszene, die übrigens noch im Museum für Atheismus und Religion ihren Ausgangspunkt hatte. An Hrodna mag er insgesamt, dass die Stadt überschaubar und sauber ist.
Neben der Kaloža gibt es noch einige andere Dinge, die er seinen Gästen normalerweise zeigt. Das sog. „Schweizer Tal“ und die Kathedrale, überhaupt die alten Kirchen, das ist es, was Hrodna für ihn ausmacht. Und einen besonderen Tipp hat er auch: Die
Tyzenhaus-Galerie. In dieser stellen meist lokale Künstler ihre Werke aus, die man bei Gefallen auch erwerben kann.
Angesprochen auf die Veränderungen in Hrodna in den vergangenen Jahren, bestätigt Vaclaŭ Ramaška, dass viel renoviert wurde, die Stadt sauberer wurde, fügt aber bedauernd hinzu, dass das zum Teil oberflächlich und mit wenig Liebe zum Detail geschehen sei. Enge Altstadtstraßen wurden verbreitert, alte Bäume mussten neuen Anlagen weichen; und als Zeichen der neuen Zeit ist die Innenstadt ständig mit Autos und Bussen verstopft. Auch auf die Umweltbelastung kommt er zu sprechen, die in der Sowjetzeit noch größer war als heute. In früheren Zeiten habe es in der Haradničanka Forellen gegeben, bis örtliche Unternehmen begannen, ihre Abwässer einzuleiten und das Flüsschen genauso wie den Njoman, in den sie mündet, so erheblich zu belasten.
Obwohl er Hrodna liebt, gibt es doch Einiges, was ihm in der Stadt fehlt. „Da müsste es noch mehr geben, was Besucher nicht nur hierher lockt, sondern sie auch in der Stadt hält. Cafés und kleine Läden in der Altstadt zum Beispiel, die zum Verweilen einladen“. Die Infrastruktur für den Tourismus findet er verbesserungsbedürftig, besonders im Bereich der Gastronomie. Überhaupt befänden sich viele historische Orte in der Stadt praktisch im Dornröschenschlaf. Vaclaŭ wünscht sich auch mehr Möglichkeiten, Kunst auszustellen und zu verkaufen.
Viele sprechen in diesem Zusammenhang auch über das im ganzen Land berühmte
Festival der Kulturen, das in Hrodna alle zwei Jahre ausgerichtet wird. Er mag die Idee des Festivals, sagt aber auch, dass dieses in den 1990ern tatsächlich auf die im Lande lebenden Nationalitäten ausgerichtet gewesen sei, während es sich in letzter Zeit eher in Richtung eines gewöhnlichen Volksfestes mit Multi-Kulti-Charakter entwickle.
Vaclaŭ Ramaška konnte immer einigermaßen von seiner Kunst leben, doch heute seien die Leute eher bereit, Geld für Kunstwerke auszugeben. Zwischen der Stadt und der Künstlervereinigung, der Vaclaŭ angehört, gibt es eine Vereinbarung. Die Künstler bezahlen eine relativ geringe Miete für ihre Ateliers, dafür liefert jeder von ihnen pro Jahr zwei Kunstwerke kostenlos an die Stadt ab, die diese als Gastgeschenke weitergibt.
Manchmal flieht er auch aufs Land. Wie andere Künstlerfreunde hat er sich ein altes Bauernhaus in einem Dorf gekauft, wo oft zusammen gearbeitet und gefeiert wird. Hier lebt er sein Interesse für das traditionelle ländliche Belarus aus. Alte Bauernhäuser und Gerätschaften der Bauern, Kutschfahrten und Banjagänge – Vaclaŭ Ramaška meint, dass dies auch für Touristen interessant sein könnte.

Rajko Lassonczyk
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